Breed
By Tom Harst
Sir Winston Churchill wird mit den Worten zitiert: „Je weiter wir in die Vergangenheit schauen können, umso weiter können wir wahrscheinlich in die Zukunft blicken.” Ganz sicher trägt die Kenntnis der historischen Entwicklung des Afghanischen Windhundes ganz entscheidend zu einem besseren Verständnis der Rasse wie wir sie heute kennen bei, wie dies auch Bo Bengtson in einem Beitrag zur Geschichte des Afghanischen Windhundes vor einigen Jahren einmal bemerkte.Die Entwicklungsgeschichte der Hunde ist, nach alle dem was wir heute wissen, eng verbunden mit den Anfängen unserer eigenen Kultur. Nach archäologischen Erkenntnissen können wir heute davon ausgehen, daß die Domestizierung der ersten Wölfe gegen Ende der letzten Eiszeit, vor ungefähr 15.000 Jahren, begonnen hat. Der Wolf wurde somit zum ersten Haustier des Menschen, zum Hund. In Begleitung des Menschen breitet sich der Hund weiter aus und besiedelt bald alle bewohnbaren Lebensräume der fünf Kontinente. Um 5.800 v. Chr. datiert derzeit die älteste erhaltene Wandzeichnung eines hochbeinigen Jagdhundes, die man in Südanatolien gefunden hat. Die Wissenschaft ist sich bis heute jedoch nicht einig, ob daraus auch der Schluß gezogen werden kann, daß sich die Windhunde ausgehend vom vorderen Orient weiter verbreitet haben, oder ob sich vielmehr verschiedene Windhundformen zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten entwickelt haben. In engem Zusammenhang damit steht natürlich auch die Frage, ob es einen Urtypen der heute lebenden Windhunde gegeben hat. Den frühen Darstellungen von Hunden ist gemeinsam, daß sie langbeinige Hunde mit langen Fängen und eleganten Körpern abbilden. Daraus können wir zumindest den gesicherten Schluß ziehen, daß Windhunde zu einer der ältesten Rassen zählen, die wir heute kennen.
Neben der Größe unterscheiden sich die Windhunde vor allem bei den Ohrformen und in ihrem Fell. Die überwiegende Zahl der heute lebenden Windhunde trägt ein sogenanntes Rosenohr, ein kleines an der Seite des Kopfes zurückgelegtes Ohr mit nach außen geöffneter Muschel. In den mediterranen Ländern findet man das seltenere Stehohr, welches auch deutlich größer ist als das Rosenohr. Unter den Windhunden haben einzig der Afghanische, der Persische (Saluki) und der Arabische Windhund (Sloughi) ein sogenanntes Hängeohr. Nach den Ohrtypen teilt man denn auch die Windhunde ein in eine okzidentale, eine mediterrane und in eine orientalische Gruppe.
In der Ausprägung des Fells reicht die Spanne bei den Windhunden heute vom weichen samtigen Fell des Greyhound über das leicht gewellte des Borzoi, bis hin zum langen dichten Haarkleid des Afghanen. Entgegen den Vorstellungen, die wir heute mehrheitlich vom Fell des Afghanischen Windhundes haben, wurde und wird im Ursprungsland eine breite Vielfalt von Haartypen akzeptiert. Ein Zeitungsausschnitt aus einer Kabuler Zeitung vom 08.08.1962, geschrieben von Gulbaz, läßt dies deutlich werden, wenn es dort heißt: “Der Windhund oder Thazi, wie er in ganz Afghanistan genannt wird … . Es gibt drei beliebte Rassen von Hunden. Die eine heißt Bakhmull, was soviel wie Samt bedeutet. Dieser Typ hat ein langes seidiges Fell, das den gesamten Körper einschließlich der Ohren bedeckt. Eine andere Rasse wird als Luchak oder glatthaarig bezeichnet. Schließlich die dritte Rasse, Kalagh, die lange seidige Haare an den Ohren und Beinen hat, ansonsten aber glatthaarig ist.”
Von den drei oben beschriebenen Rassen oder richtiger Varietäten des Afghanischen Windhundes sind außerhalb Afghanistans nur der als Bakhmull und der als Kalagh bezeichnete Typ bekannt. Ersterer ist im Westen besser bekannt unter der Bezeichnung “Bergafghane”. Unter dem Kalagh verstehen wir den sogenannten Steppenafghanen.
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